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Landespolitischer Abend NRW PDF Drucken E-Mail
Samstag, 20. September 2014 um 14:40 Uhr

Was brauchen junge Menschen?

Kolpingwerk NRW diskutierte in Düsseldorf über Bildung und Ausbildung

„Die Zeit erhält ihre Bedeutung durch das, was wir in dieser Zeit machen“, so zitierte der Landesvorsitzende des Kolpingwerkes Nordrhein-Westfalen, Karl Schiewerling, MdB, den Verbandsgründer Adolph Kolping. Dieser hatte sich, vor mehr als 150 Jahren der Nöte junger Menschen in seiner Zeit angenommen.  Beim Landespolitischen Abend des Kolpingwerkes NRW im Düsseldorfer Maxhaus ging es um die Frage, was heute mit dem Blick auf junge Menschen insbesondere in den Feldern Bildung und Ausbildung geschieht.

„Keinen Jugendlichen links liegen lassen“, das ist die Forderung des Katholischen Sozialverbandes, mit 100.000 Mitgliedern in den Diözesanverbänden Münster, Paderborn, Köln, Essen und Aachen. „Junge Menschen brauchen Antworten auf ihre Lebensfragen“, betonte Schiewerling. Im jugendlichen Alter schaffe man die Grundlage an Können und Wissen, die die Basis für den späteren Lebensweg sei. „Dazu gehören auch stabile Familienstrukturen und stabile soziale Strukturen.“ Deshalb kümmere sich das Kolpingwerk seit seiner Gründungszeit genau um diese Fragen der Lebenssituation junger Menschen und gerade um die, „denen es besonders schlecht geht, oder die sich besonders schwer tun“. Kolping betreibt in NRW fünf große Bildungswerke in den Diözesanverbänden Münster, Paderborn, Köln, Essen und Aachen. Mit ihren über 2.000 hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weisen diese Kolping-Bildungswerke ein enormes Erfahrungspotential im Umgang gerade mit der Zielgruppe benachteiligter Jugendlicher auf.
Abwechslungsreich moderiert von der Fernsehjournalistin Brigitte Büscher diskutierten der Arbeitsmarktexperte der Fachhochschule Koblenz, Professor Dr. Stefan Sell und Roland Matzdorf, Abteilungsleiter im NRW-Arbeitsministerium. In seinem Impulsreferat machte Sell, der bekannte, früher selbst Schulabbrecher gewesen zu sein und sich über den Zweiten Bildungsweg weiterqualifiziert zu haben, deutlich, was ihm wichtig ist. Selbst wenn man keine Empathie für die jungen Menschen habe und rein ökonomisch an die Frage herangehe,  so müsse doch klar sein, wie verheerend sich Langzeitarbeitslosigkeit auf ihr weiteres Leben auswirke. Eine entscheidende Rolle bei der Prägung junger Menschen schreibt Sell den Medien zu. „In den Fernsehserien, die sich junge Menschen ansehen, tauchen zum Beispiel handwerkliche Berufe überhaupt nicht auf. So sind sie nicht Teil ihrer Lebenswelt.“ Eine Chance für die Jugendlichen, „die bislang in Übergangssystemen gelandet sind“, ehe sie eine Ausbildungsstelle erhalten haben, sieht Sell in der sich verändernden Angebots- und Nachfragerelation. Sell kritisierte die Anhäufung von Modellprojekten im Übergangssystem. Es sei vielmehr erforderlich nachhaltigere Strukturen zu schaffen. Dazu müssten allerdings auch unterschiedliche Finanzierungsinteressen zusammengeführt werden. Sell forderte eine viel frühere und intensivere Begleitung junger Menschen, bei der man mit ersten Schritten zur Berufsorientierung schon in der Grundschule beginne. Daneben brauche es produktionsschulorientierte Konzepte von Arbeiten und Lernen.   
Roland Matzdorf stellte das NRW-Modell „Kein Abschluss ohne Anschluss“ vor. 51 Kommunen und Kreise arbeiten inzwischen an diesem seit zwei Jahren laufenden Vorhaben mit. Ziel ist eine flächendeckende Begleitung in ganz NRW. Die Schüler der beteiligten Jahrgangsstufen 8 bis 10 durchlaufen eine Potenzialanalyse, danach Berufsfelderkundungen und zusätzliche Praktika neben dem verpflichtenden Praktikum in der 9. Klasse. Der Abteilungsleiter im NRW-Arbeitsministerium räumt ein, dass es in der Vergangenheit sehr viel „Projektitis und Herumprobiererei“ gegeben habe. „Wir machen das entgegen erster Planungen inzwischen für alle Schülerinnen und Schüler, nicht lediglich für  die Benachteiligten“, ergänzte Matzdorf. Denn auch ganz viele Schüler in Gymnasien oder Realschulen haben „keine Peilung durch ihre Eltern oder ihre Lebenswelt“.  Das Thema der beruflichen Orientierung komme nun endlich stärker in den Schulen und in den Familien an. Ein weiteres Problem: Rund 10.000 Junge Menschen in NRW bleiben, so Matzdorf, jährlich ohne Schulabschluss. Etwa die Hälfte von Ihnen wird in Maßnahmen wie dem Werkstattjahr oder der Produktionsschule begleitet. „Wir hatten noch nie so viele unbesetzte Lehrstellen, haben zugleich aber auch noch eine hohe Zahl unversorgter junger Menschen“, beklagte Matzdorf. Das liege zum Teil am schlechten Image bestimmter Berufsgruppen. Der Expertentipp an die Arbeitgeber lautet hier: „Frühzeitig in die Schulen gehen, Praktikumsplätze anbieten und Begeisterung für den Ausbildungsberuf wecken.“  

Quelle: Kolpingwerk Landesverband NRW   

 

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